Erhellender Ablöscher: THE PRICE OF EVERYTHING

Immer wieder traut man Augen und Ohren nicht in diesem Dokfilm über den ganz grossen Kunsthandel. Regisseur Nathaniel Kahn gibt sich sehr Mühe uns zu überzeugen, dass trotz diesem Wahnsinn im Spätkapitalismus Kunst immer noch Kunst sein kann und wir sie lieben können, dürfen. Wir begegnen vier Künstlern und zwei Künstlerinnen im Gespräch mit dem Regisseur, darunter die beiden aktuell weltweit teuersten: Jeff Koons und Gerhard Richter. Koons entlarvt sich dabei (in meinen Augen) als verlogenes Arschloch, Gerhard Richter als sympathischer, alter Heuchler. Während Jeff Koons ohne Wimpernzucken findet, seine Hochglanzobjekte – die aktuell bei den reichsten Reichen der Welt ungeheuer beliebt sind, seien ohne weiteres 15 Millionen wert, sagt Gerhard Richter freundlich zurückhaltend, dass seine Bilder eigentlich nicht so viel kosten dürften wie ein Haus, nein, das sei nicht richtig. Aber das sind wohl Lippenbekenntnisse. Als Gegenbeispiel lernen wir Larry Poons kennen, der vor 30 Jahren ein aufsteigender und damals teuer gehandelter Maler war und sich dem Betrieb radikal entzogen hat. Eindrücklich auch das Portrait der Nigerianerin Njideka Akunyili Crosby, die vom amerikanischen Kunsthandel «entdeckt» wird und am Bildschirm ungläubig staunend mitverfolgt, wie Sotheby ein Bild von ihr für mehr als eine Million Dollar versteigert. Davor ein interview mit einer Sammlerin, die das Bild liebt und sehr gern hätte – aber ihr Budget beträgt nur 300'000 Dollar – keine Chance. Auch amerikanische Sammler werden portraitiert und wir kapieren definitiv: Kunst ist für die Superreichen einfach eine andere Anlageform als Aktien. Die Aussage, die mich vielleicht am meisten deprimiert hat ist diejenige eines Kunsthändlers der bedauernd sagt, dass Museen weltweit keine Chance hätten, bei den ganz grossen Auktionen mitzubieten – die Einkaufsbudgets sind lächerlich klein im Vergleich zum Geld der Superreichen. So stehen diese gehypten Werke – zum Glück oft nicht die schönsten und beeindruckendsten – in privaten Luxuswohnungen in Shanghai und New York und eben nicht in Museen. Ein sehr klug gemachter Film, zu dem Regisseur Kahn sagt: »…das haben mich die Menschen in diesem Film gelehrt, jeder auf seine Weise: dass es entgegen der Marktlogik tatsächlich keinen intrinsischen Zusammenhang zwischen Wert und Preis gibt. (…) dass die Kunst tatsächlich etwas kann, das über die Wirkung des Geldes hinausgeht.» Da muss man nach dem Film erst wieder tief durchatmen, um zu merken, dass das stimmt.