Faust I – gewaltig, gewalttätig

Die neuen Intendanten am Schauspielhaus Zürich, Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg, haben schon im Herbst mit einem fulminanten Einstand auf allen (Schauspielhaus-)Bühnen Aufsehen erregt und Begeisterung ausgelöst. Von Nicolas Steman ist auch die schon fast legendäre Faust Inszenierung, welche seit 2012 durch die Theaterwelt tourt und mit Preisen überschüttet wurde. Die Aufführung von Faust I und Faust II zusammen dauert 8 ½ Std., der erste Teil wird auch einzeln gezeigt. Und ja, schon diese

dreieinhalb Stunden sind ein Ereignis. Welten tun sich auf zwischen dem alten Gelehrten, als den wir uns Faust (bei der jugendlichen Lektüre) vorstellten und dem dynamischen Berserker, der hier auftritt. Ein sarkastischer Egoist, der alles will. Fantastisch die Inszenierung, die Faust, Wagner und Mephisto in der ersten Stunde von einem Schauspieler, Sebastian Rudolph, allein spielen lässt. Dann tritt Mephisto auf, auch er ist stellenweise Faust, genauso wie Margarete, die nicht nur ihren Part grossartig spielt, sondern auch immer wieder Sätze des Teufels und des Doktors braucht. Wir staunen: Faust ist total heutig.