Herzenswärme am Nordpol

KALMAN von Joachim B. Schmidt

Seit 2007 lebe der Bündner Joachim Schmidt mit seiner Familie in Island, lese ich im Klappentext. Trotzdem ist es unglaublich, wie durch und durch isländisch sein Buch über den leicht beschränkten Kalmann im aussterbenden Dorf Raufarhöfn im nördlichsten Teil der Insel ist (soweit das Nicht-IsländerInnen beurteilen können). Der 35-jährige Kalmann verkleidet sich gern als Sheriff, Cowboyhut und Pistole erhielt er von seinem Vater, der ihn als stationierter US-Soldat gezeugt, aber sich nie um ihn gekümmert hat. Seine Mutter musste ihn und sich allein versorgen, deshalb zog sie zu ihrem Vater in dieses Kaff im Norden. Und dieser Grossvater war der prägende Mensch in Kalmans Leben. Er hat ihn das Jagen und den Walfang gelehrt und vor allem Selbstwert vermittelt. Er sei vielleicht anders als die andern, aber das sei total in Ordnung und «kein Grund zur Sorge». Dem Dorf geht es schlecht, die Fangquoten für den Fischfang sind mager oder verkauft. Weil es keine Arbeit gibt, sind die Menschen weggezogen. Und da verschwindet der Dorfkönig, der wohlhabendste Mann, wenn auch Alkoholiker und unglücklich. Kalmann stösst im Schnee auf dessen Blut. Was sich in diesem Roman entwickelt, ist ein spannender, gut konstruierter Krimi, aber für mich noch viel mehr die Geschichte eines äusserst liebenswürdigen Menschen und eines Dorfes am Rande der Welt, der heutigen Welt, welche da oben, nahe am Polarkreis, doch so anders tickt als in Mitteleuropa. Wunderbar leichter Lesestoff!