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Menschlichkeit und Würde hinter Gittern

  • Margrit Schaller
  • 16. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

FRANK AND LOUIS, von Petra Volpe Der neue Film der Schweizerin Petra Volpe ist englischsprachig und spielt in den USA. Von Anfang bis Ende in einem Gefängnis. Frank (Kingsley Ben-Adir), verurteilt wegen Totschlag, wird dorthin versetzt und richtet seine Zelle routiniert und sehr ordentlich ein. Wir sehen den Alltag der Gefangenen, aber ohne die sonst so üblichen Gewaltszenen in diesem Umfeld. Für die alten, kranken oder dementen Insassen gibt es ein Team von Kollegen, die eine gelbe Veste tragen, welche sie als «therapeutische Helfer» bezeichnet. Frank wird angefragt, ob er mitmachen will und weil er weiss, dass eine Teilnahme sehr hilfreich ist für eine vorzeitige Entlassung, steigt er ein. Er soll Louis (Rob Morgan) betreuen und begleiten, einen Mitinsassen mit beginnender Demenz. Louis ist manchmal verwirrt, ratlos – sitzt auf seiner Pritsche und fragt sich, was mit seinem Kopf los ist, weiss nicht mehr wo und wer er ist. Er will keine Hilfe, wehrt sich anfänglich auch aggressiv gegen die angebotene Unterstützung durch Frank. Dieser wird angeleitet, geduldig zu sein und auch einen Schlag zu akzeptieren. Wie sich aus dieser Konstellation eine gegenseitige Akzeptanz und schliesslich eine grosse Nähe entwickelt, ist sehr berührend, ruhig und unsentimental gezeigt. Franks Einsatz hilft ihm schliesslich nicht zur vorzeitigen Entlassung, die Tochter seines Opfers plädiert dagegen – und auch sie können wir verstehen. Das macht Volpes Filme so gross, sie zeigt uns immer wieder, dass wir alle unseren persönlichen Rucksack tragen.

Petra Volpe hat lange am Drehbuch dieses Films gearbeitet und hat mit Insassen des kalifornischen Gefängnisses Men's Colony State Prison in San Luis Obispo, wo dieses Unterstützungssystem läuft, Gespräche geführt und Insassen befragt. Der Film ist eine feine, wunderbare Geschichte über die Entstehung menschlicher Nähe. Die Welt-Premiere war am Sundance Festival, dem wichtigsten Filmfestival des Independent Film in den USA; auf der Piazza in Locarno am 10. August die europäische Premiere.

Hoffentlich bald in den Kinos!




 
 
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