Wunderbar: SCHILDKRÖTENSOLDAT von Melinda Nadj Abonji

Aktualisiert: 8. Apr 2019

Es ist ein Sprachwunderwerk, dieses Buch. Die Geschichte von Zoltan Kertésc, von seiner Cousine, die in der Schweiz lebt, zärtlich Zoli genannt. Aus diesen beiden Menschen heraus ist der Roman geschrieben, vor allem aus dem Denken und Fühlen von Zoltan, der als behindert, als nicht richtig im Kopf gilt. Aber welch wunderbare Welt in diesem Kopf – die Liebe zu Blumen, zum Gärtnern, die Wahrnehmung von Düften, Tönen in der garstigen Umwelt in der er lebt. Seine Eltern sind arm, lieblos und grob. Seinem Vater sei er als Kind vom Motorrad gefallen wie ein Mehlsack, das Blut aus seinem Kopf gesprudelt, daher seine Verschrobenheit. Es ist das Jahr 1991, als junger Mann wird er in den schrecklichen Bürgerkrieg eingezogen, aber dort in der Kaserne, findet er einen Freund. Und am Tod dieses Freundes fühlt er sich mitschuldig, auch wenn die Schuld beim «Raubvogel» Major liegt. Das ist zuviel für Zoltan, er verweigert sich der Welt, wird aus der Armee entlassen und stirbt bald darauf an einem epileptischen Anfall. Aber wie das alles erzählt wird! Die Sprache hat eine unglaubliche Melodie, ist auch ein Hochseilakt von grandioser Leichtigkeit – und das bei einem Thema von grosser Tragik und Trauer.