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Bis zum nächsten Nein eines Mannes

  • Margrit Schaller
  • 16. Nov. 2025
  • 1 Min. Lesezeit

«Grossmütter» von Melara Mvogdobo Mit obigem Satz ist eines der kurzen Kapitel im schmalen Buch überschrieben und meint, genau so weit gehe die Freiheit der Frauen. Beim Erscheinen kaum rezensiert in den Medien, ist der Roman auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises aufgetaucht und die Lebensgeschichten der alten Frauen aus Kamerun und der Schweiz sind wie farbige Mosaiksteine. Die beiden über 80-jährigen Frauen erzählen ihr Leben, eigentlich ganz unabhängig voneinander. Und mit sehr unterschiedlichen Hintergründen: Die eine ist Tochter eines reichen Geschäftsmannes mit zwei Ehefrauen in Kamerun, die andere wächst in einer armen Bauernfamilie in der Schweiz auf. Schon das überzeugt: die Umkehr des gängigen Narratives von reich und arm. Beide Mädchen dürfen nicht werden was sie möchten, beide werden von patriarchalen Systemen in Rollen gezwungen, die sie nicht gewählt haben. Die namenlosen Ich-Erzählerinnen verbindet – über Kontinente, Kultur und Sprache hinweg – die Zwänge der Unterdrückung durch Väter und Ehemänner. Und beide Frauen befreien sich im Laufe ihres Lebens, leisten Widerstand, gewinnen. Das Büchlein liest sich trotz aller Kämpfe wunderbar leicht und ist sehr schön gestaltet, die Geschichte aus Kamerun ist ockerfarben gedruckt. Melara Mvogdobe ist 1972 in der Schweiz geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Andalusien. «Grossmütter» ist ihr zweites Buch. Ihr Debütroman heisst «Von den fünf Schwestern, die auszogen, ihren Vater zu ermorden» - das werde ich auch noch lesen!


ree


 
 
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