Kunst im Deutschen Bundestag

Zwar ist der Anmeldevorgang hochgradig bürokratisch, aber eine Kunst- und Architekturführung im Reichstagsgebäude in Berlin lohnt sich! Man erfährt interessante Leitgedanken für den Bau von Norman Foster: Transparenz und Demokratie sollten sich architektonisch manifestieren, das nationale Parlament sollte zugänglich und einsichtig sein. Ursprünglich hätte Foster ein riesiges gläsernes Dach über dem ganzen Gebäude geplant, die berühmte Kuppel war schliesslich ein Kompromiss. Gleichzeitig sind auch noch historische Zeugnisse zu sehen, z.B. Graffitis von russischen Soldaten an den Mauern der damaligen Ruine. Es wird sehr betont, dass das Nazi Regime nie hier regiert hat, das Gebäude stammt noch aus der Kaiserzeit und wurde während der Weimarer Republik als Parlament genutzt, nach dem Brand 1933 und der anschliessenden Teilung der Stadt blieb es unbenutzt bis zur Wiedervereinigung und der Rückkehr der Regierung der BRD nach Berlin. 1995 verhüllte Christo das Riesengebäude, dieser gigantische Event ist mit vielen Skizzen und Fotos dokumentiert – man hätte es live sehen wollen! Und eben, in der Eingangshalle, den riesigen Gängen, Seminarräumen, Cafés gibt es auch grossartige Bilder und Installationen die öffentlich zugänglich sind. Gerhard Richter mit gewaltigen monochromen Farbtafeln, Anselm Kiefer mit einem riesigen, sehr plastischen Sand-Wandbild, Georg Baselitz mit zwei wunderbar schwebenden Bildern, inspiriert von David Caspar Friedrich. Es sind aber nicht nur deutsche Künstler zu sehen, bewusst sollte die Kunst auch grenzüberschreitend sein. So hat der Franzose Christian Boltanski die Installation "Archiv der deutschen Abgeordneten" geschaffen, das sind fast 5000 Blechkasten mit den Namen aller zwischen 1919 und 1999 demokratisch gewählten Abgeordneten.

Heute würde man hoffentlich auch vermehrt Künstlerinnen einladen, die sind sehr untervertreten.

Aber zur Zeit gibt es ja die Sonderausstellung zu 100 Jahre Frauenwahlrecht: 19 + 1 Künstlerinnen. Das sind 19 Deutsche und eben die Schweizerin Serpentina Hagner (siehe mein Eintrag zum «Blechbauchmaier») Die Werke sind von unterschiedlichster Technik und Aussage, eine kleine, aber sehr feine Ausstellung.