Viel Herz

Dar Titel ist nicht ironisch gemeint, oder zumindest nur ein klein wenig. DAS GEDÄCHTNIS DES HERZENS ist das erste Buch von Jan Philipp Sendker, das ich gelesen habe. Und ähnlich wie bei Dörte Hansen mit den Land-Büchern entdecke ich mit ihm einen Bestseller Autor, der kaum in den Feuilletons auftaucht, aber viel Lese-Freude macht. Sendker hat bereits eine China- und eine Burma-Trilogie geschrieben, animiert durch seine journalistische Arbeit in diesen Ländern. Ich habe also mit dem dritten Band der Burma-Trilogie angefangen, aber man merkt kaum, dass es zwei Vor-Geschichten gibt, das Buch lässt sich sehr gut unabhängig lesen – und beendet die Serie sanft und gut. BoBo ist 12-jährig und lebt mit seinem alten Onkel U Ba im Kalaw in Burma/Myanmar. Sein Vater besucht ihn einmal im Jahr für ein paar Wochen, von der Mutter weiss er nur, dass sie Amerikanerin und am Leben ist. Dann beginnt der Onkel, ihm die Geschichte seiner Eltern zu erzählen, die Geschichte einer grossen Liebe die eine Tapferkeit verlangt hat, «der ihrer beiden Herzen nicht gewachsen waren». Seine Mutter ist Halbburmesin, aufgewachsen in New York und ist dann doch in Bruma der grossen Liebe begegnet, dem Mönch Thar Thar, der sich dort in einem alten Kloster um behinderte, arme Kinder kümmert. Sie wird schwanger, geht zurück nach NY, Thar Thar begleitet sie für einige Monate in die fremde Welt, kehrt aber bald nach Burma zurück. Es ist das Jahr 2007, es finden grosse Demonstrationen von Mönchen und Nonnen gegen das Militärregime statt. Julia kommt mit Bo Bo nach, es ist eine sehr schwierige, kriegerische Zeit, ihr Kloster wird angezündet, sie müssen fliehen. Julia ist überfordert von dieser schrecklichen Situation und es kommt zu dem Vorfall, den ihr Leben und das von Bo Bo bis ins Innerste verändert. Aber ja, es endet wie gesagt in sanfter Versöhnung. Trotz sicher grosser Kenntnis über Burma scheint mir deutlich spürbar, dass das Buch von einem Westler geschrieben ist – zu sehr liegt ein verklärender Schleier buddhistischer Weisheit über den Figuren. Nicht wirklich kitschig, eher verdächtig schön. Und ich werde - trotz der schnulzigen Titel – die ersten beiden Bände der Trilogie auch noch lesen: DAS HERZENHÖREN und HERZENSTIMMEN.