Viel mehr als ein Sprayer!

Harald Naegeli im MUSEE VISIONNAIRE Als «Sprayer von Zürich» war und ist Harald Naegeli bekannt. Fast müsste man sagen, Zürich hat ihn nicht verdient. Beschämend und peinlich, wie sich die Stadt jahrelang ihm gegenüber verhalten hat: 1979 wurde Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. 1984 stellte er sich der Polizei und wurde vier Monate inhaftiert. Kein Wunder verliess er diese Stadt und dieses Land, lebte Jahrzehnte in Deutschland und kehrte erst 2019 nach Zürich zurück – wo ihm 2020 der Kunstpreis der Stadt verliehen wurde. Und jetzt endlich wird erstmals in der Schweiz sein umfangreiches graphisches Werk ausgestellt. Das Musée visionnaire am Predigerplatz in Zürich bietet ein «Naegli-Jahr» in drei Werk-Etappen. Teil eins sind Landschaften und Tiere. Und da kommt man aus dem Staunen nicht heraus – Naegeli ist ein wunderbarer Zeichner, die Striche sind fein, leicht, präzise und sparsam. Mit Tusche, Bleistift, Kohle zeichnet er kleinformatig Gräser, Blitze, Tiere und grossformatig – «Grosse Landschaften». Gerne würde man in den ausgestellten Skizzenbüchern blättern... Die ganze Ausstellung ist sehr schön konzipiert. Und man kann sich schon freuen auf die nächste Werkschau (Wechsel noch im April) unter dem Titel «Mensch und Vergänglichkeit».