Die Macht des Narrativs
- Elena Wilhelm und Margrit Schaller
- 26. Jan.
- 1 Min. Lesezeit

"The Narrative" ist ein kluger, sensibler, hochspannender und wichtiger Dokumentarfilm, der sich einem der bekanntesten Finanzskandale der letzten Jahre ohne Sensationslust nähert. Regie führten Bernard Weber und Martin Schilt, der Film eröffnete die Solothurner Filmtage 2026.
Im Zentrum steht Kweku Adoboli, einst gehypter Young-Trader bei der UBS London, später verurteilt für einen Milliardenverlust.
"The Narrative" entfaltet seine Stärke aus der präzisen Verschränkung von drei Ebenen: der Pathologie des globalen Bankenwesens, der Brutalität migrationspolitischer Verfahren (nicht nur in England) und der individuellen Geschichte eines Mannes, der an den Werten der Finanzwelt zugleich Erfolg hatte und zerbrach. Der Film verbindet Kweku Adobolis heutiges Leben in Ghana als Früchtehändler mit der Rekonstruktion seines Gerichtsprozesses und einem nüchternen Blick auf die Logiken des Finanzsystems. So wird sichtbar, wie aus komplexem Systemversagen die einfache und das Bankenwesen entlastende Erzählung eines „Alleintäters“ entsteht und was dieses Narrativ für das Leben von Kweku bedeutet. Ein wichtiges Korrektiv sind die persönlichen Gespräche mit Freund:innen und ehemaligen Arbeitskolleg:innen und deren grosse und tatkräftige Unterstützung von Kweku bis heute. Und ein Journalist, der den ganzen Gerichtsprozess mitverfolgt hat, bringt die monströse Verhaltensweise der Bankverantwortlichen und Anwälte immer wieder auf den Punkt. Immerhin: Der damalige UBS Chef Oswald Grübel trat im Laufe des Prozesses zurück.
"The Narrative" zeigt, wie eng individuelles Handeln und strukturelle Zwänge ineinandergreifen. Ein grossartiger Film über die Finanzwelt, abgeschobene Verantwortung und die Macht eines durch die Finanzwelt und die globale Presse erstellten Narrativs. Ab März 2026 im Kino


