Berlinale: Dao – Das Leben als kreisende Bewegung
- Elena Wilhelm und Margrit Schaller
- vor 21 Minuten
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Alain Gomis im Wettbewerb der Berlinale 2026
Drei Stunden. Doch man schaut nicht auf die Uhr. Nicht weil Dao einen packt und mitreisst wie ein Thriller. Sondern weil er einen langsam, fast unmerklich in sich aufnimmt. „Eine ewige Kreisbewegung, die die Realität umrahmt" – so beschreibt das Presseheft den Film, und für einmal ist das keine Werbelyrik, sondern eine präzise Beschreibung.
Neun Jahre nach seinem Silbernen Bären für Félicité kehrt der franko-senegalesische Regisseur Alain Gomis mit einem sehr persönlichen Werk an die Berlinale zurück. Dao ist kein Film, der etwas beweisen will. Er ist einer, der einfach da ist. So, wie das Leben selbst.
Strukturiert um zwei Zeremonien – eine Hochzeit in Frankreich und ein Gedenkritual in Guinea-Bissau – folgt der Film einer zyklischen Bewegung durch alltägliche Gesten, Begegnungen und Übergänge. Es ist dieselbe Familie, die in Frankreich feiert und in Guinea-Bissau trauert. Keine zwei Kulturen, die sich von aussen beobachten, sondern eine einzige Familie, die beide Welten gleichzeitig in sich trägt, in ihren Köpfen, ihren Körpern, ihren Gesten. Gomis erzählt keine Migrationsgeschichte als soziologisches Phänomen. Er zeigt Menschen, deren Leben schlicht auf zwei Kontinenten stattfindet. So selbstverständlich wie das Ein- und Ausatmen. Freude und Trauer, Anfang und Ende: dieselben Menschen, dieselbe Wärme, dieselbe Hilflosigkeit.
Dass Dao auf eine Art dahinplätschert, ist keine Kritik. Es ist eine Beschreibung seiner Methode. Fast kein einziger Dialog war im Voraus geskriptet. Die Szenen wurden im gegenwärtigen Moment des Drehs geformt. Das spürt man im besten Sinne. Die Menschen auf der Leinwand wirken nie wie Figuren, die Text rezitieren. Sie wirken wie Menschen, die gerade leben.


