Berlinale: Wenn Kultur dem System gefährlich wird
- Elena Wilhelm und Margrit Schaller
- vor 8 Stunden
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GELBE BRIEFE von İlker Çatak im Berlinale Wettbewerb
Der in Deutschland gefilmte und produzierte Film GELBE BRIEFE ist eine unter die Haut gehende türkische Polit-Erzählung von Ilker Catak. Eine gefeierte Schauspielerin am Staatstheater Ankara (Tansu Biçer) und ihr Mann, Professor an einer Kunst-Uni (Özgü Namal) verlieren von einem Tag auf den andern ihre Stellen – sie erhalten die gelben Briefe mit der Kündigung. Sie sind zu kritisch, zu progressiv, zu frei denkend. All das lässt das aktuelle türkische Regime nicht mehr zu. Sie müssen ihr Haus verlassen, ziehen mit ihrer pubertierenden Tochter zu seiner Mutter nach Istanbul. Er arbeitet als Taxifahrer, sie versuchen bei einem Kleintheater mitzuarbeiten. Die Versuche der beiden, mit den politischen Zwängen und Einschränkungen umzugehen, sich im Leben neu zu definieren, ist unterschiedlich. Er bleibt ganz bei seiner linken Überzeugung, dass demokratische Rechte und die individuelle Freiheit des Denkens und Redens über allem stehen. Sie ist pragmatischer, eher bereit, ihre persönliche Überzeugung verdeckt zu leben, und auch künstlerische Kompromisse einzugehen. Als Zuschauerin kann man beide Wege verstehen – das Paar aber trennt sich.Und was auch beeindruckt: Es erscheint gross und deutlich auf der Leinwand: Berlin steht für Ankara, Hamburg für Istanbul (in diesen deutschen Städten wurde gefilmt). Und Regisseur Catak sagt im Gespräch: Wir sollten nicht denken solche Zustände sind eben weit von uns weg, da drüben im Osten…


