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Die unsichtbare Katastrophe

  • Margrit Schaller
  • 19. Apr.
  • 1 Min. Lesezeit

Swetlana Alexijewitsch: Tschernobyl, im Strauhof Zürich

„Ich glaube, dass Tschernobyl dennoch bis heute nicht wirklich reflektiert und vollständig verstanden wurde…“ das sagt die belarussische Autorin im Interview im März 2026. Und beim Gang durch die Ausstellung im Strauhof denkt man, dass sie Recht hat. Sie bezieht sich damit auch auf den Angriff der Russen auf die Ukraine, mit dem im Februar 2022 Tschernobyl unter ihre Herrschaft fällt. Ein Drohnenangriff reisst ein 15m2 grosses Loch in die Schutzhülle, welche erst 2019 fertiggestellt wurde. Es gibt schon verschiedene und sehr gute Dokumentationen über die Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl, aber die Zeitzeug:innen, welche in dieser Ausstellung zu Worte kommen, ermöglichen eine unmittelbare Nähe zur Ungeheuerlichkeit des Geschehens vom 26. April 1986 und den Monaten danach. Zehn Jahre später fährt Swetlana Alexijewitsch mit der Kamerafrau Tatjana Loginowa in die verstrahlten Gebiete und führt Gespräche mit Betroffenen. Daraus entsteht ihr Werk «Tschernobyl-Gebet – eine Chronik der Zukunft», für das sie 2015 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird. Im Strauhof sehen wir vier dieser Gespräche als Filmaufnahmen und ein ausführliches Interview mit ihr selbst. Ein damals hochrangiger Wissenschaftler spricht über die ersten Tage nach der Explosion, eine belarussische Politikerin spricht über die Folgen, eine alte Bäuerin erzählt von ihrem einsamen Leben im kontaminierten Dorf und die Witwe eines Feuerwehrmannes vom Einsatz ihres Mannes unmittelbar nach der Katastrophe. Das geht unter die Haut. Und ich schäme mich, dass es 40 Jahre gebraucht hat, bis mir dieses grauenhafte Ereignis auf der menschlichen Ebene so nahekommt. Bis 25. Mai 2026



 
 
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