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Ein Glanzstück von Skurrilität

  • Margrit Schaller
  • vor 10 Stunden
  • 1 Min. Lesezeit

WACHS von Christine Wunnicke Die Autorin wird 2026 mit dem höchsten Preis der deutschen Literatur, dem Georg-Büchner-Preis, ausgezeichnet. Und nur deshalb bin ich auf sie und ihr Werk aufmerksam geworden – ich hatte bis anhin noch nie von Christine Wunnicke gehört… WACHS spielt zwischen 1733 und 1795 und erzählt die Geschichte zweier Französinnen, die es tatsächlich gab: Marie Bihéron und Madeleine Basseporte. Marie war von jung an leidenschaftlich an Anatomie interessiert und sammelte Leichen um sie aufzuschneiden, zu sezieren und die Organe in Wachs zu formen. Sie brachte es zu ihrer Zeit offenbar zu einiger Berühmtheit und erreichte ihr Ziel «der beste Anatom von Paris» zu sein. Madeleine hingegen, eine 18 Jahre ältere Schönheit, war Blumenmalerin für das Königshaus, malte alles was blühte in den Gärten von Versailles. Die beiden Frauen werden ein Paar, offenbar problemlos, da zu dieser Zeit nicht unüblich, versichert uns die Autorin. Neben den aussergewöhnlichen Lebensläufen ist es die Sprache, die einen entzückt und überrascht: Die Geschichte wird quasi in der Sprache der Zeit in der sie spielt, erzählt. Das ist faszinierend, denn das Denken und Leben der Menschen kommt einem dadurch sehr nahe und evoziert lebhafte Bilder. Ein unglaublich vergnügliches Eintauchen in eine vergangene Welt, kunstvoll und skurril beschrieben. Ein PS zum Büchner-Preis: 75 mal vergeben, 14 mal an eine Frau (!), viermal an Schweizer (Dürrenmatt, Frisch, Muschg und Bärfuss).



 
 
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