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Grosse Welt-Literatur

  • Margrit Schaller
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

DIE EINSAMKEIT VON SONIA UND SUNNY, von Kiran Desai

Ja, Einsamkeit ist ein grosses Thema in diesem literarischen Wunderwerk. Und ja, es ist auch eine Liebesgeschichte. Doch ich bin etwas irritiert, wie es in verschiedenen Besprechungen darauf reduziert wird. Es geht um zwei junge indische Menschen: Sonia und Sunny. Beide aus der Oberschicht, beide gehen als junge Leute in die USA studieren. Dort erkennt sie niemand als reich und vornehm, im Gegenteil, sie sind «braunhäutige» junge Migrant:innen. Beide leben in schwierigen Beziehungen: der junge, attraktive Sunny mit einer Amerikanerin aus der tiefsten Provinz, sie ist überfordert, verlässt ihn. Und Sonia lebt eine krass toxische Beziehung zu einem Künstler, einem Maler, der immer berühmter wird und sie ausbeutet und unterdrückt. Sunny erhält die Greencard und kann bleiben, Sonia muss nach dem Studium – sie möchte Schriftstellerin werden – zurück nach Indien. Dort haben beide ihre Familien, die sich über die Grossväter kennen. Und diese Grossväter möchten die beiden in eine arrangierte Ehe bringen, was die beiden natürlich von sich weisen. Als sie sich, eher zufällig, endlich kennenlernen, ist aber eine grosse Anziehung da. Sie treffen sich ein paar Tage in Goa und trennen sich wieder, beide gehen weiter auf ihren schwierigen Wegen in den unterschiedlichsten Welten, zwischen westlichem Lebensverständnis und indischen Ansprüchen von Kultur und Familie. Und das sind die Themen, die dieses Buch total faszinierend machen, Einblick in die Lebensrealität von Menschen zwischen Welten, Ansprüchen, Kulturen, Zeiten. Und wie klug und sprachlich hervorragend das geschildert wird! Kiran Desai hat 20 Jahre an diesem Roman gearbeitet und die geschriebenen 5000 Seiten (!) auf 740 gekürzt.

Ich bin gar kein Fan von dicken Büchern, aber die Geschichte dieser Einsamkeit und Liebe hat mich gefangen genommen – und dank der hitzebedingten Siesta konnte ich mich stundenlang wegtragen lassen von diesem Blick auf die Welt, gleichzeitig so persönlich und global erzählt.


 
 
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