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Ein Vater, der nur sich selbst sieht

  • Elena Wilhelm und Margrit Schaller
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

NU ES LOCUL TAU AICI von Florin Șerban

Sechzehn Jahre nach "Wenn ich pfeifen will, pfeife ich", mit dem er 2010 in Berlin den Silbernen Bären gewann, kehrt der rumänische Regisseur Florin Șerban mit Nu e locul tău aici  (You Don't Belong Here) in die Konkurrenz um den Goldenen Leoparden zurück.

Es ist ein Film, der von der ersten Einstellung an beklemmt und in keinem einzigen Moment die Spannung verliert.

Marius ist Chefarzt in einem kleinen Provinzkrankenhaus und zieht seinen halbwüchsigen Sohn Ioan alleine gross. Die Mutter ist bei einem Unfall gestorben. Dann erfährt er, dass die Polizei den Jungen verdächtigt, einen alten Roma-Mann getötet zu haben, und dass Ioan ein zweites, nächtliches Leben führt, von dem der Vater nichts ahnte: Ioan ist Teil einer Gang, die Autos, welche auf ein Gehsteig abgestellt sind, beschädigt und die Aufschrift hinterlässt "Nu e locul tău aici"  (You Don't Belong Here).

Aus diesem Fund entwickelt Șerban eine Studie über zwei Menschen, die unter einem Dach leben und einander fremd geblieben sind.

Das eigentliche Thema ist die Kälte zwischen Vater und Sohn. Marius ist ein Mann, dem es, bei aller Sorge, am Ende immer um sich selbst geht: um seinen Ruf, seine Ordnung, seine Version der Dinge. Der Film lässt uns sehen, wie einer, der beschützen zu wollen glaubt, in Wahrheit vor allem sich selbst verteidigt und wie ein Sohn in dieser Leere verschwindet, längst bevor die Polizei nach ihm fragt.

Das ist grossartig gespielt. Adrian Văncică spielt den Vater mit einer verschlossenen, selbstbezogenen Härte. Ihm gegenüber ist der Debütant Teodor Butănescu als Ioan, dessen Schweigen hörbar ist.

Getragen wird der Film von einem meisterlichen Drehbuch, das sich Zeit nimmt und von sehr langen Einstellungen geprägt ist. Șerban lässt die Kamera stehen und die Zuschauerinnen die Länge aushalten. Je länger ein Bild währt, desto unerbittlicher zwingt es uns, hinzusehen: auf das, was nicht gesagt wird, auf die Sekunde zu viel, in der ein Blick sich abwendet. Die Spannung entsteht nicht aus dem Schnitt, sondern aus dem Verweilen.

Nu e locul tău aici ist beklemmendes Autorenkino, ein Film, der wehtut.

 
 
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