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Wenn der Engel mit dem Teufel ringt: Grossartiges Schweizer Kino

  • Elena Wilhelm und Margrit Schaller
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

In seinem Spielfilmdebüt "SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?" traut sich der Walliser Regisseur Nicolas Steiner, eine eigene, unglaublich faszinierende Film- und Bildsprache zu entwickeln. Die Geschichte ist schlicht: Die lebensfrohe Studentin Lena wird vom AMT als Schreibtherapeutin zu Hugo Drowak geschickt, einem verschanzten Misanthropen und Alkoholiker.

Was Steiner daraus kreiert, ist ein subversiv-ironisch-kafkaeskes Bild einer Welt, in der Empathie durch Bürokratie ersetzt wird.

Eindrücklich ist sein Umgang mit Farbe und Schwarzweiss. Die trostlose Gegenwart erscheint in strengem Schwarzweiss, während die Bilder plötzlich in Farbe aufblühen, sobald Drowak poetisch über die Liebe seines Lebens zu schreiben beginnt. Dieses "Spiel" ist kein dekorativer Effekt, sondern eine dramaturgische Setzung, in der die beiden Register einander gegenseitig durchdringen und annähern. Das Bild denkt.

Die Bildsprache ist architektonisch. Steiner scheint in Baukörpern zu denken: Die brutalistischen Sichtbetonbauten, in denen sich die Handlung verliert, sind nicht blosse Kulisse, sondern gebaute Seelenzustände – kühl, monumental, verschlossen. Drowaks Hochhauswohnung mit zu Tempeln gruppierten 4000 Flaschen wird selbst zur Architektur, zur wohl angeordneten Festung eines Menschenfeinds. Räume und Fassaden erzählen, was die Figuren verschweigen.

Getragen wird das Ganze von zwei grossartigen Hauptdarsteller:innen: Karl Markovics als Drowak spielt in einer Intensität, die fast schmerzt. Ihm gegenüber Luna Wedler als Lena, die mit gnadenlosem Optimismus gegen seine Verstocktheit anspielt. Die beiden harmonieren perfekt als ungleiches Paar.

Man kann dem Film seine Fülle vorwerfen, seine surrealen Einsprengsel. Doch es ist keine visuelle Selbstverliebtheit, es ist eine Haltung: Steiner traut dem Kino etwas zu. Der Film ist tragisch und komisch zugleich, oft im selben Atemzug und in der Einsicht, dass beides aus derselben Quelle stammt. Ein Film, der an das Kino glaubt und seine Zuschauer:innen. Grossartig. Unbedingt ansehen.

 
 
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