Mutig das Schweigen brechen
- Elena Wilhelm und Margrit Schaller
- vor 18 Stunden
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Kamila Serwickas Langfilmdebüt "A TERAZ WIOSNA" (Blossoming) ist ein mutiger, berührender Film. Nach acht Jahren kehrt die Regisseurin mit der Kamera in ihr Elternhaus zurück, um die Geschichte ihrer Mutter Agnieszka und ihrer Schwestern zu erzählen. Ihre Mutter ist eine Frau über fünfzig, die ihren Heimatort nie verlassen hat, im Dorfladen arbeitet und die Last einer von Gewalt gezeichneten Ehe trägt, während sie drei Töchter grosszog.
Serwicka ist Regisseurin, Autorin und Kamerafrau zugleich. Man spürt in jeder Einstellung, dass hier keine Beobachterin von aussen zusieht, sondern eine Tochter, eine Frau, die Teil dessen ist, was endlich ausgesprochen wird. Darin liegt der Mut dieses Films. Serwicka richtet die Kamera nicht nur auf die Mutter, sondern auch auf den Vater, ihre jüngeren Schwestern, die Grossmutter und auf sich selbst. Das ist gewiss der schwierigste aller dokumentarischen Wege: nicht über andere zu urteilen, sondern einen Raum zu öffnen, in dem ein jahrelanges Schweigen brechen darf. Wo Verborgenes endlich zur Sprache kommt, ohne dass der Film es je vorführt oder ausbeutet.
Der Film tastet sich behutsam an intime Räume heran. Serwicka weiss, wann sie nah gehen darf, wann sie warten muss, wann sie das Bild schwärzt und nur Worte sprechen lässt.
Noch berührender wird A teraz wiosna dort, wo aus einer privaten Geschichte eine allgemeine wird. Der Titel trägt das Versprechen schon in sich: Nach dem Winter des Verschwiegenen kommt der Frühling. Es ist aber keine kitschige Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass eine laut ausgesprochene Geschichte zum Anfang einer Veränderung werden kann.
Es ist ein starker Debütfilm, der am Filmfestival Locarno Standig Ovation erhielt.


