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Eine literarische und politische Herausforderung!

  • Margrit Schaller
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

OROPPA von Safae el Khannoussi Manchmal habe ich mit der Lektüre gekämpft, meist hat sie mich in Bann gezogen. Der Roman von el Khanoussi, die als 4-Jährige von Marokko nach Holland kam, spielt ausschliesslich im migrantischen Milieu Europas, vor allem in Amsterdam und Paris. Protagonist:innen gibt es viele, die Schauplätze wechseln. Der Erzählrhythmus ist schnell, oft sprunghaft, das Lesen erfordert Konzentration. Aber wie neu, wir spannend, sich (lesend) in einem Umfeld zu bewegen, von dem wir wissen, aber es meist doch aus Distanz kennen. Die einzige Holländerin, die eine Rolle spielt, ist die Galeristen der berühmten Künstlerin Salomé Abergel. Diese konnte in den 80iger Jahren nach brutaler Haft und Folterungen aus Marokko flüchten. In Europa gelingt ihr eine Karriere als Malerin. Eine grosse Ausstellung in Amsterdam steht bevor – aber Salomé ist spurlos verschwunden. Gesucht wird sie auch von ihrem Sohn Irad, der in Paris eine Bar betreibt, die für maghrebinische Migrant:innen ein Zuhause ist. Auch sein Leben und sein Umfeld lernen wir kennen. Und dann taucht Yousef Slaoui auf, hoffnungsloser Trinker, der seine Tage sinnlos saufend in Amsterdam verbringt. Und dort begegnet er Salomé Abergel und wir erfahren, dass er ihr Folterer war. Und dass er in Europa ist, weil man ihn hier in Ruhe lässt. Die Begegnung schildert sie später so: «Als ich die Tür öffnete und er dastand dachte ich nur: Den kenn ich doch irgendwoher. Dabei fühlte ich mich natürlich bedroht. Und auf einen Schlag wurde mir klar, dass der Mann, der da vor mir stand, die ganze Zeit unter meiner Haut gewohnt hatte.»

Erzählungen (ja, es sind eigentlich mehrere) und Bilder sind stark, sind eigenwillig, faszinierend. Das Buch ist ein Erlebnis! Oroppa ist die marokkanisch-arabische Bezeichnung für Europa.



 
 
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