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Kultur, Kiffen, Cashwashing

Elena Wilhelm
vor 4 Stunden
1 Min. Lesezeit

POLYPHON PERVERS von Béla Rothenbühler

Wer je einen Förderantrag geschrieben hat, wird diesen Roman mit einem wissenden Grinsen lesen. Zwei junge Frauen stolpern in eine Kunstperformance, staunen über die Fördersummen, die dort fliessen, und kommen zum naheliegenden Schluss: Das können wir auch. Aus dem Verein «Polyphon Pervers» wird in kürzester Zeit ein Schwergewicht der Kulturszene, und der Erfolg rechtfertigt bald jedes Mittel.

Das Buch hat Drive und Rhythmus. Es lässt sich kaum einordnen und will das auch nicht: Kulturpersiflage, Krimi, Roadmovie und Märchen zugleich, süffig und amüsant erzählt, dabei durchsetzt mit erstaunlich vielen klugen Gedanken. Rothenbühler hat einen ganz eigenen Ton gefunden, im luzerndeutschen Original ebenso wie in der sehr gelungenen Übertragung ins Hochdeutsche, die den Witz und die Mündlichkeit des Originals bewahrt.

Ich habe den Roman in einem Zug gelesen. Und genau in dem Moment, als sich das Muster zu wiederholen und ins Langfädige zu kippen droht, setzt ein neuer Teil ein: die Flucht. Mit ihr nimmt die Geschichte noch einmal Fahrt auf. Besonders reizvoll ist der Erzähler, der plötzlich selbst zum Mitspieler wird. Im Kern nimmt der Roman die Kulturwelt und die Kulturförderung genüsslich auf die Schippe. Die Logik ist bestechend: Wenn hierzulande über Swisslos die Spielsucht Kultur finanziert, warum dann nicht auch Cannabiskonsum und Geldwäsche? Das ist frech, böse und zugleich so plausibel, dass einem das Lachen gelegentlich im Hals stecken bleibt. Und trotz aller Gaunereien wachsen einem Schanti, Yves und die Cashwasher mit ihren Underground-Performances einfach ans Herz. Grossartig.

Und wenn sie nicht gestorben sind …



 
 
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