Spurensuche
BRIEFE AN MEINEN DIKTATOR von Eugène Meiltz Fast fünfundzwanzig Jahre herrschte Nicolae Ceausescu zunehmend diktatorisch und grausam in Rumänien. Die Eltern des Autors flohen 1974 mit einem Touristenvisum in die Schweiz, wo sie als politische Flüchtlinge aufgenommen wurden. Ihre beiden Kinder, fünf- und siebenjährig, konnten erst zwei Jahre später in die Schweiz einreisen, sie wurden als Druckmittel in Rumänien zurückbehalten. Die Familie lebte in Lausanne, wo der Autor unbeschwert aufwuchs und das Schweizer Bürgerrecht erhielt. Und dann auf Spurensuche ging. Als Jugendlicher kehrte er erstmals mit Kollegen nach Rumänien zurück und musste aufpassen, nicht als ehemaliger Rumäne erkannt zu werden, das hätte gefährlich werden können. Er sieht und spürt jetzt diese totale Unterdrückung der persönlichen Freiheiten, die Armut und das Ausgeliefertsein an den brutalen Machthaber. Dann besucht er das Land in grösseren Abständen immer wieder, nach dem Ende der Diktatur und der Hinrichtung von Ceausescu und seiner Frau im Dezember 1989 erlebt er die Veränderungen und das Ringen um eine demokratische Ordnung. Das sind die Facts. Wie Eugène Meiltz das erzählt ist umwerfend und hat mich total in Bann gezogen. In direkter Rede an den Diktator, seinen Diktator. Er konfrontiert ihn immer wieder mit seinen Gräueltaten, seinen Lügen, seiner Volksverachtung. Das kommt ja bereits im Titel des Buches zum Ausdruck – und es endet mit einer existentiellen Irritation.



