Höchst amüsante Geschichtslektion
- Margrit Schaller
- 18. Dez. 2025
- 1 Min. Lesezeit
DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE von Wolfgang Becker Eine klug gemachte Komödie. Denn sie enthält in der erfundenen Story viel Wahres. 2019: Der total verschuldete Besitzer einer Videothek, Michael Hartung (Charly Hübner) wird von einem Journalisten als Held "entdeckt". Gemäss Stasi-Akten war er 1984 als Weichensteller bei der Reichsbahn verantwortlich für die grösste Massenflucht aus der DDR. Er habe die Weichen für die S-Bahn, die zum Ostberliner Bahnhof Friedrichstrasse fuhr, umgestellt - und diese fuhr in den Westen. 127 Menschen sassen drin, einige kamen nie mehr zurück. Hartung fällt aus allen Wolken, so stimmt die Geschichte nicht. Ihm wird aber gutes Geld geboten, wenn er in dieser Form darüber berichtet. Denn der 30. Jahrestag des Mauerfalls steht bevor und der fleissige Journi wittert seine Karrierechancen in dieser sensationellen Helden-Geschichte. Und so arrangiert sich Michael Hartung mit seiner Heldenrolle, die wie eine Explosion sein Leben verändert. Er wird ein begehrter Talkshowgast, ist auf den Titelseiten der Medien und wird als Werbeträger engagiert. Aber eigentlich ist er auch ein guter Mensch, und wie er sich durch die - auch von der Stasi mitgetragene - Schummel-Geschichte kämpft, um schliesslich zu sich zu stehen - das ist gut, gescheit und mit viel Witz erzählt.
Wolfgang Becker, der uns mit "Good Bye Lenin" schon einmal eine wunderbare DDR-Komödie beschert hat, ist vor dem Ende der Dreharbeiten dieses Films gestorben.
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