Tief unter die Haut
- Margrit Schaller
- 8. Nov.
- 2 Min. Lesezeit
"I love you, I leave you"" von Moris Freiburghaus
Sehr verdient hat dieser Film über die psychotischen Phasen des Musikers Dino Brandao am ZFF den Preis für den besten Dok erhalten – das erste Mal übrigens, dass ein Schweizer Werk dieses «Goldene Auge» erhielt. Freiburghaus und Brandao sind enge Freunde, nur so konnte der Film entstehen. Dino Brandao wollte diesen Film, wollte sich in seinen psychotischen Zuständen zeigen, sogar eine Actionkomödie daraus machen – und überforderte den Freund und Regisseur Moris Freiburghaus mit dieser Idee. Dass ein unglaublich beeindruckender Film – weit weg von Action und Fun – entstanden ist, ist der Kombination von Professionalität und Verbundenheit des Regisseurs mit dem Protagonisten zu verdanken. Schon vor zehn Jahren hatte Brandao seine erste manische Phase. Als er 2022 in die Heimat seines Vaters, Angola, reist, die nächste. Moris Freiburghaus ist mit der Kamera dabei, manchmal in extrem intimen Momenten. Dino schläft nicht mehr, gibt ständig Geld aus und erzählt gleichzeitig, wie cool das sei, dieser Zustand. Und immer wieder müssen wir die Bilder selber im Kopf machen, weil die Kamera eben nicht filmt. Es ist einfach dunkel oder verschwommene Farben füllen die Leinwand. Wir hören wie Moris mit der Chefärztin der Psychiatrischen Klinik telefoniert, erahnen, wie ihn die Situation fast zerreisst. Manchmal sind kurze Texte eingeblendet, wir lesen von Polizeieinsätzen, mit denen Dino mittels «Fürsorgerischer Unterbringung» zwangsweise in die Klinik eingeliefert wird. Im Gespräch sagen die Beiden, das Abbrechen des Film-Experimentes sei immer wieder Thema gewesen, diese Möglichkeit auch wichtig. Aber sie haben es durchgezogen – und uns damit Einblick in das Erleben einer manisch-depressiven Störung ermöglicht, die es wohl so dokumentarisch noch nie gab. Musik ist rar im Film, aber zum Abspann singt Brandao «We got nothing to hide…» Das tut gut. Sein neues Album ist soeben erschienen.
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