Eine fast normale Familie

Aktualisiert: Aug 13

AUS UND DAVON von Anna Katharina Hahn Es ist das erste Buch, das ich von dieser Autorin lese, und es gefällt mir. In einer sehr direkten, vielleicht auch alltäglichen, aber keinesfalls banalen Sprache schildert der Mehrgenerationen-Roman die Turbulenzen einer heutigen, städtischen Familie. Die Hauptperson ist Elisabeth, die Grossmutter, ehemals tüchtige Geschäftsfrau und Mutter zweier Töchter. Die eine wurde eine gradlinig brave Ehefrau und Mutter von vier Söhnen, die andere, Caroline, heiratete einen Griechen, hat zwei Kinder mit ihm und ist getrennt, d.h. er hat sich nach Griechenland abgesetzt. Elisabeths Ehemann Hinz, mit dem sie über Jahrzehnte ein erfolgreiches Reisebüro und eine glückliche Ehe geführt hat, kämpft nach einem Hirnschlag mit seinen Behinderungen und hat sich vor kurzem mit einer anderen Frau abgesetzt. Die Geschichte beginnt damit, dass Caroline für eine Auszeit nach New York will, weg von Arbeits- und Kinderstress und Elisabeth ihre beiden Enkel, den kleinen Bruno und das Teenie Stella, hüten kommt. Bruno ist dick, das macht ihn zum Sorgenkind seiner Mutter, «eine Physiotherapeutin mit adipösem Sohn» das findet sie selbst «das Letzte». Bruno wird übel gemobbt in der Schule, Stella treibt sich mit ihrer Clique herum, die Grossmutter, mit ihrer eigenen Situation am Rande, gibt ihr Bestes. Sie entdeckt in der Wohnung eine alte Puppe, den Linsenmeier, die ihrer Mutter gehört hatte. Diese wurde nämlich in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, anfangs des letzten Jahrhunderts, von der Familie in die USA zu Verwandten geschickt, um dort harte Dollars zu verdienen und ins arme Deutschland zu schicken. Und die Geschichte dieser jungen Frau, dem Trudele, wird uns eben von Linsenmeier geschildert, eine spezielle, liebevolle Erzählperspektive. Die Auswanderer sind strenge Pietisten, Trudele ist unglücklich und sehnt sich nach dem jungen Mann, in den sie sich während der Überfahrt nach Amerika verliebt hat. Dieser wird dann Elisabeths Vater, ein strenger, frommer Mann. Caroline besucht auf ihrem USA Trip die Nachkommen der Familie, eine etwas beelendende Begegnung. So erzählt «Aus und davon» nicht eine, sondern viele Geschichten, alle sehr lebendig, nachvollziehbar, ein ganzes Jahrhundert umspannend.