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Im Hustvedt Fieber

  • Margrit Schaller
  • vor 7 Stunden
  • 1 Min. Lesezeit

WAS ICH LIEBTE von Siri Hustvedt

Ja, sie beschäftigt mich seit ein paar Wochen mit einer Anziehung und Faszination, wie ich sie selten durch Literatur und Film erlebt habe. Nach ihrem GHOST STORIES und dem Dokumentarfilm über sie habe ich diesen Roman aus dem Gestell genommen und bin damit abgetaucht. Unglaublich, wie wenig Inhalt mir geblieben ist seit dem erstmaligen Lesen vor 22 Jahren, aber an die Spannung kann ich mich gut erinnern – die ist wohl diesmal noch stärker. Erzählt werden etwa 25 Jahre des Lebens zweier befreundeter New Yorker Paare. Fast zur gleichen Zeit kommen ihre beiden Söhne zu Welt, Matt und Mark, und sie leben im selben Haus in übereinanderliegenden Lofts. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive des einen Mannes, Leo Hertzberg, Professor für Kunstgeschichte, Sohn jüdischer deutscher Flüchtlinge. Erica, seine geliebte, schöne Frau ist auch Kunstgeschichtlerin, ihr Freund Bill Wechsler wird über die Jahre zum erfolgreichen Künstler und seine Frau Violet forscht u.a. zu Hysterie und deren Darstellung in der Geschichte. Das Leben ist spannend und getragen von Freundschaft, Liebe und der intensiven Auseinandersetzung mit Kunst. Dann aber beginnt sich ein Spirale zu drehen aus Tod, psychischer Krankheit, Drogensucht, Abgründe der New Yorker Szene der 80iger Jahre. Die totale Heraus- und Überforderung für die Beteiligten. Aber wie das geschrieben ist – die tiefe Eindringlichkeit in Schicksale und Menschen ist stellenweise so unheimlich, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Die intime Nähe zum Ich-Erzähler, seine Versuche und seine Art, mit allem umzugehen, machen die Lektüre aber auch tröstlich und schön. Ein Meisterinnenwerk!



 
 
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