top of page

Gescheit, ehrlich, hochbegabt, feministisch

  • Margrit Schaller
  • vor 6 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

DANCE AROUND THE SELF von Sabine Lidl

Das sind einfach vier Adjektive – es könnten viele mehr sein – die mir bei Siri Hustvedt in den Sinn kommen. Der Dokumentarfilm über sie, für den die deutsche Regisseurin während vier Jahren gedreht hat, zeigt eine Künstlerin, die bereit ist, viel von sich und ihrem Leben zu zeigen – wie schon in ihrem Buch GHOST STORIES.  Ihre Ehe mit Paul Auster – die beiden galten während Jahren als das glänzendste Intellektuellen-Paar New York’s  - ändert sich jäh  mit seiner Krebsdiagnose. Das war natürlich nicht vorgesehen für den Film, aber Siri Hustvedt war bereit, dran zu bleiben. «Es wird zu sehr über Leid geschwiegen», sagt sie. Und auch über andere Themen redet sie mit einer radikalen Offenheit: Über weibliche Sichtbarkeit, wie sehr sie sich dagegen wehren musste, sie schreibe «autobiografisch», wie lange die Öffentlichkeit Paul Auster als den Intellektuellen wahrnahm und sie als Schönheit an seiner Seite. Wir lernen ihre Schwestern kennen, sie erzählt von ihren Eltern und dem Aufwachsen im ländlichen Minnesota, ihre Tochter und der Schwiegersohn sprechen über sie und Paul. Der Film ist sehr gekonnt und abwechslungsreich gemacht. Auf historischen Aufnahmen von Manhattan sehen wir eine gespielte Siri New York entdecken, als sie als junge Frau dorthin zog um zu studieren. Ihre witzigen Federzeichnungen von Frauen sind animiert und fliegenüber die Seiten ihrer Bücher, aus denen sie stellenweise liest. Und immer wieder schaut sie uns an und redet über sich, über Pauls Krankheit und Sterben, die eineinhalb Jahre in «Cancerland». Und auch an der Abschiedsfeier durfte Sabine Lidl dabei sein und bei einer Reise von Siri nach Norwegen, der Heimat ihrer Eltern. Dort besuchte sie das beeindruckende Monument von Peter Zumthor, für die Menschen, die im 17. Jahrhundert in dieser Gegend auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Siri Hustvedt will über alles, auch über ganz Schwieriges und meist Verschwiegenes, reden – sehr ehrlich und reflektiert reden. Im Kino



 
 
bottom of page