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Ist sterben so verschieden wie leben?

Drei Filme laufen derzeit, die sich auf sehr, sehr unterschiedliche Art mit Leben und Tod befassen. Am deutlichsten die japanische Fiction PLAN 75. Wegen der Überalterung (die in Japan besonders hoch ist), offeriert der Staat allen Menschen über 75 einen gut organisierten Freitod. Und vorher noch ein Geldgeschenk, um eine Nacht in einem tollen Hotel zu verbringen oder damit die Bestattungskosten vorauszuzahlen. Aber das Streuen der Asche in ein Massengrab ist kostenlos. Und bevor es soweit ist, haben die Angemeldeten die Möglichkeit, mit den jungen Angestellten des Programms freundliche Telefongespräche zu führen und aus ihrem Leben zu erzählen. Wir begleiten eine Frau auf diesem Weg. Und das wird sehr sensibel, fein und fast dokumentarisch gezeigt. Eine Dystopie die tief unter die Haut geht.

ALLER TAGE ABEND ist eine Schweizer Komödie der köstlichsten Art. Die Launen des Alters werden mit absurdem Witz erzählt, Liebe und Freundschaft in verschiedenen Konstellationen gefeiert, der Tod gar auf die Schippe genommen.

RÖBI GEHT schliesslich ist ein Dokumentarfilm, den wir wohl nicht mehr vergessen. Christian Labhart und Heidi Schmid haben den Wetziker Robert Widmer während der letzten Monate seines Lebens begleitet. Röbi hatte sich entschieden, seinen Lungenkrebs nicht zu bekämpfen, sondern sich nur palliativ begleiten zu lassen. Er spricht mit seiner Frau, mit Freunden und Familie über sein Leben und das nahende Ende. Er tröstet seine Gegenüber, selbst strahlt er eine unglaubliche Zuversicht aus. Und sein Humor wärmt bis zuletzt. Sehr schön sind die Ausschnitte alter Filme aus dem Familienfundus: Wir sehen ihn als jungen Mann und Vater mit den Kindern herumtollen, mit seiner Frau tanzen und feiern. Starke Zeitdokumente sind die Bilder aus seiner langjährigen Arbeit als Leiter des "Suneboge", des Obdachlosenheims von Pfarrer Sieber. Berührend auch seine Gedichte, von ihm im Off gelesen, ruhige Betrachtungen über Leben und Sterben. Röbi hat mich tief beeindruckt: So bewusst und offen auf den Tod zugehen zu können, das sollte vielleicht ein Lebensziel sein.


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