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Löwenbräu – Zürichs Hotspot zeitgenössischer Kunst

  • Margrit Schaller
  • 23. Nov.
  • 2 Min. Lesezeit
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Ich bin fast sicher: Wäre das spektakuläre Industriegebäude mit der Vielfalt an Kunsthäusern und Galerien in München oder Milano – die Kunst-Affinen würden in Strömen hinpilgern. Das Löwenbräu, die frühere Bierbrauerei in Zürich West hingegen, findet viel zu wenig Beachtung. Mindestens hat man diesen Eindruck, wenn man durch die mässig besuchten Hallen wandert – und begeistert ist! Das Migros Museum für Gegenwartskunst beschert uns immer wieder grossartige Begegnungen, aktuell mit der Süd-Koreanerin Haegue Yang. Es ist ihre erste Ausstellung in der Schweiz und für uns eine überraschende und beeindruckende Schau. Yang (geb. 1971) pendelt zwischen Berlin und Seoul und das bildet sich in ihren Werken ab. Die Ausstellung ist in Themenbereichen gefasst, wie z.B. Bewegung, Spiritualität, Häuslichkeit. Das ist weit gefasst, und so sind es auch Werke und Materialen. Am auffallendsten wohl die (aus Kunststroh) geflochtenen, grossen, surrealen Figuren – «Dancing in Woven Masks» oder, sehr gegensätzlich, die abstrakten, aus Wäscheständern und mit Glühbirnen behängten Objekte. Und Aluminiumjalousien und fahrbare Metallgestelle, mit 1000en von Glöcklein bespannt – schade dürfen wir sie nicht bewegen, das macht ab und zu das Personal. Die koreanische Heimat klingt am deutlichsten an in den Werken aus Papier: Kunstvolle Scherenschnitte aus traditionellem Papier erinnern uns Westler:innen sofort an Tempelfragmente. Kurz und gut: Eine Material- und Gestaltungsvielfalt, die immer von neuem staunen lässt! (Bis 18.Jan. 2026) Das seit einem Jahr auch im Löwenbräu beheimatete Haus Konstruktiv wird genial bespielt vom Gewinner des Zurich Art Prize 2025, dem Brasilianer Artur Lescher. Metallisch glänzende Steelen hängen an feinen, perfekt gebündelten Drähten in deckenhohen Konstruktionen. Der Anblick der Installationen im Raum hat etwas perfekt Technisches und zugleich schwerelos-schwebendes. Schwierig zu beschreiben – drum unbedingt hingehen und schauen! (Bis 11. Jan. 2026) Die Kunsthalle schliesslich zeigt ua Werke des polnischen Künstlers Karil Palczak. Er lebt in der Grenzregion zur Ukraine, einer sich leerenden, ja aussterbenden Region. Die Gemälde sind fast fotorealistische Abbildungen aus dieser Welt: Dreimal ein brennender Baum am Wasser, Männer die mit grossen Reifen (von Militärfahrzeugen?) hantieren. Die wenigen Werke haben eine spürbar bedrückende Wirkung und ziehen einem gleichzeitig in Bann. (Bis 18. Jan. 2026) Und zum Schluss noch der Luma Westbau mit der ziemlich crazy Laser Animation des Briten Matt Copson. Es ist die auf zwei Etagen gezeigt Trilogie «Coming of age» bis «Of coming Age». Eine Animation, immer ein Baby, vom Werden bis zum Vergehen, etwas pathetisch gesagt. Aber sie fasziniert! (Bis 15. Feb. 2026)



 
 
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