Netflix Tipp: "Unorthodox" – faszinierend!

Deborah Feldmann ist eine weltberühmte Frau geworden, ihre Flucht aus der ultra-orthodoxen chassidischen Hatmar Community in NY hat sie 2012 im Buch «Unorthodox» beschrieben (2016 auf Deutsch erschienen), es wurde ein Bestseller. Hierzulande wurde sie vielen ein Begriff durch die Präsenz im Film von Barbara Miller, # FEMALE PLEASURE.

Jetzt ist auf Netflix die freie Adaption ihrer Geschichte in einer 4-teiligen Serie zu sehen. Spannend, berührend, sorgfältig und gekonnt gemacht. Regie führt Maria Schrader, der Film ist Jiddisch gesprochen. Die Protagonistin, im Film heisst sie Esther Shapiro, wird fantastisch gespielt von der jungen Israelin Shira Haas. Die Szenen wechseln zwischen Brooklyn und Berlin, wohin die 19-Jährige ausreisen kann. Die Grosseltern waren Holocaustopfer, der Enkelin wurde dadurch als «Wiedergutmachung» ein deutscher Pass angeboten. Schon ihre Mutter floh, aus der vor allem für Frauen erstickenden Enge der Ultraorthodoxen, die Tochter nahm man ihr weg. Esty wuchs bei der Grossmutter und der Tante auf, über ihre Mutter wurde nur böse als «Abtrünnige» gesprochen. Als sie mit 19 Jahren zwangsverheiratet wird, erlebt sie die Sexualität nur schmerzhaft und kann die obligatorische Pflicht, sofort ein Kind, und dann möglichst viele Kinder zu bekommen, nicht erfüllen. Ihr Ehemann, auch er Gefangener der religiösen Zwänge, spricht von Scheidung. Sie entscheidet sich zu fliehen – obwohl sie gerade schwanger geworden ist. Ihr Fuss fassen in Berlin, wie sie von Ehemann und Cousin gesucht wird um sie wieder nach Hause zu bringen, das ist dann offenbar nicht mehr ganz die Geschichte von Deborah Feldmann, sondern freier erzählt – wie es auch sein könnte. Spannend ist es, die junge Jüdin im heutigen Berlin zu begleiten, wo sie schnell Kontakt findet zu einer internationalen Gruppe von Musikstudierenden. Ihre Zweifel, die Ablösung von den gewohnten Normen – den Scheitl versenkt sie im Wannsee - die Auseinandersetzung mit dem Jüdisch sein in Deutschland. Im zögerlichen Kontakt mit der Mutter hört sie erstmals, dass diese sie nicht im Stich gelassen hat, sondern dass sie ihr als Baby mit Gerichtsentscheid weggenommen wurde.

Sehr interessant und informativ dann auch das «making off». Einerseits die aufwändigen Dreharbeiten im ultra-orthodoxen Milieu, wo das Filmteam intensiv gecoacht wurde von Insidern und was Deborah Feldmann, die am Drehbuch mitgeschrieben hat, heute zu ihrer Situation und Geschichte sagt.