Sculptresses und Hermann Haller

Da würde er wohl staunen, der Herr Haller (1880-1950), wenn er sein Atelier im Seefeld jetzt sehen würde: Acht zeitgenössische Künstlerinnen haben sich neben und zwischen seinen Werken installiert, auf Augenhöhe, gekonnt, schalkhaft… Da ist z.B. Klaudia Schifferle mit einem überraschenden Torso aus Beton; von Selina Baumann steht ein seltsam halb-organisches Wesen auf einem Sockel und von Trudi Demut blickt uns die grazile Bronze Kentaur in die Augen. Ein Entdeckungsspaziergang der feinen Art lässt sich im Atelier machen. Und danach, ebenso köstlich, ein Kaffee und ein Stück Kuchen auf der Veranda geniessen, mit Blick auf die witzig-schräge Skulptur von Mickry3 auf dem Rasen.

Das Atelier von Hermann Haller steht neben dem (in Renovation befindlichen) Pavillon Le Corbusier an der Höschgasse auf grüner Wiese. 1982 wurde es von der Witwe Hedwig Haller-Braus (die ganz klassisch Hallers Schülerin war, bevor sie seine dritte Gattin wurde…) der Stadt Zürich vermacht – und strahlt dank der leichten Bauweise und den Spuren der Zeit noch immer einen schönen Werkstattcharakter aus. Es beherbergt den Nachlass von Hermann Haller, dessen wohl bekanntestes Werk das Hans Waldmann-Denkmal an der Münsterbrücke ist. Ansonsten hat er viele, viele Frauenkörper modelliert, diese oder die Modelle davon sind in grosser Zahl im Estrich des Ateliers zu schauen – ein hübscher Anblick, unbestritten!