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kulturpur
der kulturblog von margrit schaller
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Berlinale: Dao – Das Leben als kreisende Bewegung
Alain Gomis im Wettbewerb der Berlinale 2026 Drei Stunden. Doch man schaut nicht auf die Uhr. Nicht weil Dao einen packt und mitreisst wie ein Thriller. Sondern weil er einen langsam, fast unmerklich in sich aufnimmt. „Eine ewige Kreisbewegung, die die Realität umrahmt" – so beschreibt das Presseheft den Film, und für einmal ist das keine Werbelyrik, sondern eine präzise Beschreibung. Neun Jahre nach seinem Silbernen Bären für Félicité kehrt der franko-senegalesische Regisseu
Elena Wilhelm und Margrit Schaller


Berlinale: Wenn Kultur dem System gefährlich wird
GELBE BRIEFE von İlker Çatak im Berlinale Wettbewerb Der in Deutschland gefilmte und produzierte Film GELBE BRIEFE ist eine unter die Haut gehende türkische Polit-Erzählung von Ilker Catak. Eine gefeierte Schauspielerin am Staatstheater Ankara (Tansu Biçer) und ihr Mann, Professor an einer Kunst-Uni (Özgü Namal) verlieren von einem Tag auf den andern ihre Stellen – sie erhalten die gelben Briefe mit der Kündigung. Sie sind zu kritisch, zu progressiv, zu frei denkend. All das
Elena Wilhelm und Margrit Schaller


Berlinale: Ein Gesamtkunstwerk aus Sápmi, Grönland
ÁRRU von Elle Sofe Sara, Weltpremiere im Zoo Palast Es gibt Filme, die man ansieht. Und dann gibt es Filme, die man mit dem ganzen Körper erlebt – die eine Frequenz erzeugen, die nicht durch die Ohren geht, sondern durch den Körper. Árru von Elle Sofe Sara ist solch ein Film. Er ist ein Gesamtkunstwerk. In Árru fließen Yoik, Tanz, Körper, arktische Landschaft und kollektives Gedächtnis so selbstverständlich ineinander, dass man nach einer Weile aufhört zu analysieren und anfä
Elena Wilhelm und Margrit Schaller


Faszinierender Albtraum
BLUE SKIES von T.C. Boyle Ich weiss nicht, ob ich das schon mal erlebt habe, dass ich abends beim Lesen immer angespannter wurde und mich fürchtete vor einem Albtraum. Ich hatte dann nie einen, aber ich liebe starke Gefühle, und die löst dieser Roman jedenfalls aus. Eine amerikanische Familiengeschichte und die Klimakrise – deren Auswirkungen sind etwas krasser geschildert als sie bereits sind. Die Familie, oberer Mittelstand, die Eltern leben in Kalifornien, der Vater ist Ar
Margrit Schaller


Im langen Rock aufs Matterhorn
DIE GIPFELSTÜRMERIN von Andrea Günther Am 21. Juli 1871 stand die erste Frau auf dem Gipfel des Matterhorns: Die englische Alpinistin Lucy Walker. Was das hiess, als Frau im 19. Jahrhundert Gipfel zu erklimmen, das verstehe ich nach der Lektüre dieses Buches – ein bisschen. Denn eigentlich ist es unvorstellbar, welche Hindernisse die wenigen Bergsteigerinnen auch in gesellschaftlich-sozialer Hinsicht überwinden mussten – neben den gewaltigen Herausforderungen am Berg. Die Alp
Margrit Schaller


Die Macht des Narrativs
"The Narrative" ist ein kluger, sensibler, hochspannender und wichtiger Dokumentarfilm, der sich einem der bekanntesten Finanzskandale der letzten Jahre ohne Sensationslust nähert. Regie führten Bernard Weber und Martin Schilt, der Film eröffnete die Solothurner Filmtage 2026. Im Zentrum steht Kweku Adoboli, einst gehypter Young-Trader bei der UBS London, später verurteilt für einen Milliardenverlust. "The Narrative" entfaltet seine Stärke aus der präzisen Verschränkung von
Elena Wilhelm und Margrit Schaller


«I dreamt of you in colors»
Otobong Nkanga im Musée d’Art Moderne in Paris Obiger Titel ist der der Ausstellung – ich hätte keinen schöneren ausdenken können. Es ist unsere zweite Begegnung mit der nigeriansichen Künstlerin, die in Belgien lebt. Sie hat uns bereits an der Biennale Venedig von 2019 fasziniert. Jetzt in Paris ist eine umfassende Ausstellung ihrer Werke zu sehen. Und das heisst: Von frühen Zeichnungen über Gemälde, Installationen, riesigen Teppichen bis Performances. Sie knüpft an hochpoli
Margrit Schaller


Viel Sonne, wenig Schnee, grosse Kunst
Julian Charrière in Zuoz / Edita Schubert in Susch So hat sich uns das Engadin präsentiert in den ersten Tagen des Jahres. Denn ja, eine Reise in die Berge lohnt sich in vieler Hinsicht. In Zuoz hat die Galerie Tschudi in einem genial umgebauten, alten Haus im Dorfkern aussergewöhnliche Ausstellungsräume. Samt kalter Scheune, wo wir in den Mänteln fasziniert Julian Charrières Video Midnight Zone schauen. Er lässt eine Leuchtturmlaterne in den Ozean sinken. In deren Licht tau
Margrit Schaller


Hass als Tugend
Ein kleines Buch mit hoffentlich grosser Sprengkraft Es gibt Texte, die man nicht wegen ihrer Vollständigkeit liest, sondern wegen ihrer Klarheit im richtigen Moment. Der 8. Oktober von Eva Illouz ist genau so ein Text. Ein schmales Büchlein und doch eines, das mitten in eine moralische Schieflage hineinleuchtet, die viele nicht wahrhaben möchten. Illouz benennt, was nach dem 7. Oktober sichtbar wurde: eine selektive Empathie, die sich moralisch überlegen gibt und dabei blin
Elena Wilhelm
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